Hast du beim Blick auf dein letztes VMware-Angebot auch kurz die Luft angehalten? Du bist nicht allein. Seit der Übernahme durch Broadcom steht die IT-Landschaft im deutschen Mittelstand Kopf. Das Ende der unbefristeten Lizenzen, Zwangsbündelungen von Produkten und Preiserhöhungen von teilweise bis zu 1.200 % stellen viele Unternehmen vor eine existenzielle Frage: Zähne zusammenbeißen und zahlen oder die Flucht nach vorn antreten?
Die gute Nachricht ist: Du bist diesem Diktat nicht ausgeliefert. Es gibt valide Strategien, um die Kostenfalle zu umgehen und dabei deine IT sogar zukunftsfähiger aufzustellen. In der Praxis sehen wir aktuell drei Hauptpfade, die sich für den Mittelstand herauskristallisieren. Welcher für dich der richtige ist, klären wir jetzt.
Die Situation: Warum “Weiter so” keine Option ist
Broadcom hat die Spielregeln radikal geändert. Statt Lizenzen zu kaufen, musst du sie mieten (Subscription only). Kleine, passgenaue Pakete sind Geschichte – stattdessen gibt es monolithische Bundles wie VMware Cloud Foundation (VCF).
Das größte Problem ist jedoch die neue Metrik: Broadcom rechnet pro CPU-Kern ab und schreibt Mindestabnahmemengen vor. Das trifft den Mittelstand hart, denn viele On-Premises-Server sind älter und haben viele Kerne, aber verhältnismäßig wenig RAM. Um die nötige Leistung zu bekommen, müsstest du extrem viele CPUs lizenzieren – eine Kostenexplosion mit Ansage.
Pfad 1: Der mathematische Hebel – Google Cloud VMware Engine (GCVE)
Für wen? Unternehmen mit kritischen Workloads (z. B. SAP), hohen Compliance-Anforderungen oder dem Wunsch nach minimalem Migrationsaufwand bei maximaler Lizenz-Effizienz.
Dieser Pfad ist nicht nur ein “sicherer Hafen”, er ist vor allem ein finanzieller Hack. Wenn du aus Gründen (Skills, SAP-Zertifizierung, Risiko) nicht so einfach auf VMware verzichten kannst, ist das Ziel nicht der Ausstieg, sondern die radikale Optimierung.
Das mathematische Argument: Dichte schlägt Lizenzkosten Das stärkste Argument für GCVE ist rein rechnerisch. Broadcoms neues Modell bestraft ineffiziente Hardware. Im eigenen Rechenzentrum bist du oft durch die Hardware limitiert: Deine Server haben viele Kerne (teuer zu lizenzieren), aber der Arbeitsspeicher (RAM) läuft voll, bevor die CPU ausgelastet ist. Du zahlst also für CPU-Leistung, die du gar nicht nutzen kannst, nur um genug RAM zu haben.
Die Google-Lösung: Hyper-Dichte (ve2-Knoten) Google Cloud bietet hier einen Ausweg durch extrem “dichte” Hardware, wie beispielsweise den ve2-Knoten.
- Die Specs: Ein einziger Knoten bietet bis zu 128 vCPUs und massive 2 TB RAM.
- Der Effekt: Da Virtualisierung fast immer durch RAM limitiert ist und nicht durch CPU, kannst du auf diesen Google-Knoten viel mehr VMs pro lizenziertem Kern betreiben als auf deiner eigenen Hardware.
- Das Ergebnis: Du reduzierst die Anzahl der physischen Kerne, für die du Broadcom bezahlen musst, drastisch. Du nutzt die hochmoderne Google-Hardware, um deine Lizenzkosten zu komprimieren. Diesen Konsolidierungseffekt würdest du im eigenen Rechenzentrum nur durch massive Neuinvestitionen (CapEx) erreichen – bei Google mietest du ihn einfach (OpEx).
Weitere Vorteile:
- Bring Your Own License (BYOL): Du kannst deine (teuren) portablen VCF-Lizenzen zu Google mitnehmen und dort viel effizienter nutzen.
- Kein Umlernen: Deine Admins arbeiten weiter mit dem vertrauten vCenter. Die Migration erfolgt oft per vMotion im laufenden Betrieb.
- Deutsche Datensouveränität: Über die Partnerschaft mit T-Systems gibt es eine souveräne Cloud-Option, bei der T-Systems die Kontrolle über die Verschlüsselung hat.
Pfad 2: Der Wechsel-Hebel – Alternative Hypervisoren
Für wen? Kostensensible Unternehmen, die Unabhängigkeit suchen, Open-Source-affin sind und bereit sind, ihre Infrastruktur anzupassen.
Wenn du sagst “Es reicht!”, ist dieser Pfad dein Weg in die Unabhängigkeit. Hierbei verabschiedest du dich komplett vom VMware-Hypervisor (ESXi) und setzt auf modernere oder offenere Architekturen, die wir ebenfalls auf Google Cloud realisieren können.
Option A: Die “Volks-Alternative” Proxmox VE Proxmox hat sich im DACH-Raum zur bevorzugten “Exit-Strategie” für den Mittelstand entwickelt. Es ist Open Source (KVM-basiert) und lizenzkostenfrei – du zahlst nur für den Enterprise-Support.
- Warum jetzt? Das größte Hindernis für den Wechsel war lange das Backup. Seit Veeam (der Platzhirsch im Backup-Markt) nun offiziell Proxmox unterstützt, ist diese Hürde gefallen.
- Die Architektur: Wir können Proxmox für dich auf Google Cloud Bare Metal (BMS) betreiben. Du nutzt die Google-Infrastruktur, bist aber komplett frei von Software-Lizenzkosten.
- Der Haken: Aktuell gibt es keine SAP HANA Zertifizierung für Proxmox. Wenn dein Kerngeschäft an SAP hängt, ist diese Option (noch) keine Lösung für deine produktiven Datenbanken.
Option B: Nutanix Cloud Clusters (NC2) Die goldene Mitte? Nutanix bietet mit seinem AHV-Hypervisor eine ähnliche “Enterprise Experience” wie VMware, jedoch ohne das Broadcom-Preisschild.
- Der Vorteil: Nutanix NC2 läuft extrem performant auf Google Cloud Bare Metal. Das Besondere: Die Software-Lizenzen kannst du über den Google Cloud Marketplace beziehen. Das bedeutet, die Kosten zählen zu 100 % in deine Google Cloud Commitments (CUDs) hinein – ein cleverer Weg, um bestehende Verträge zu erfüllen.
- Der Haken: Du tauschst eine proprietäre Lizenz gegen eine andere. Es ist keine vollständige Open-Source-Unabhängigkeit, aber du entkommst dem aggressiven Pricing.
Option C: Modernisierung mit Red Hat OpenShift Virtualization Für die Innovatoren unter euch, die nicht nur “weg von VMware”, sondern “hin zur Zukunft” wollen.
- Das Konzept: OpenShift nutzt KubeVirt, um virtuelle Maschinen (VMs) wie Container zu behandeln. Du betreibst deine alten Windows-Server-VMs und deine neuen Kubernetes-Container auf derselben Plattform.
- Der strategische Wert: Du eliminierst die “Virtualisierungs-Steuer”. Der Hypervisor wird zum Feature der Container-Plattform. Das ist ideal, wenn du ohnehin planst, deine Apps langfristig zu modernisieren.
- Der Haken: Die Lernkurve ist steil. Dein Admin-Team muss von der klassischen “VM-Denke” auf Kubernetes-Konzepte (Pods, Nodes, Services) umschalten.
Pfad 3: Der radikale Weg – Native Compute Engine (Cloud Native)
Für wen? Unternehmen, die den “Broadcom-Exit” als Chance für echte Modernisierung begreifen und bereit sind, ihre Netzwerkarithmetik anzupassen.
Das ist der konsequenteste Schnitt. Du migrierst deine Workloads direkt auf Google Compute Engine (GCE). Zwar läuft auch hier im Hintergrund ein Hypervisor (“The cloud is just other people’s computers”), aber dessen Management – und die Lizenzierung – übernimmt Google vollständig als Managed Service für dich.
Die Strategie: Vom Vendor Lock-in zur kontrollierten Plattform-Nutzung.
Mit Tools wie Googles Migrate to Virtual Machines (M2VM) replizierst du deine On-Premises-VMs in die Google Cloud. Der Clou: Du tauschst den harten Vendor Lock-in (Broadcom/VMware) gegen einen weicheren Platform Lock-in (Google Cloud). Um diesen so gering wie möglich zu halten, setzen wir auf offene Standards und Managed Services (z. B. Managed Kubernetes/GKE statt proprietärer Black-Boxen). Das erfordert zwar initial mehr Beratung und Architektur-Know-how, zahlt sich aber durch langfristige Flexibilität aus.
Deine Vorteile:
- 100 % Broadcom-Freiheit: Du zahlst keinen Cent mehr für VMware-Lizenzen. Die “Virtualisierungs-Steuer” entfällt komplett.
- Maximale Rabatte (CUDs): Native Compute Engine qualifiziert sich für flexible Committed Use Discounts (1 oder 3 Jahre), was Rabatte von bis zu 50–70 % auf die Rechenleistung ermöglichen kann.
- Modernisierung “on the fly”: Sobald die VM auf GCE läuft, kannst du sie viel leichter modernisieren (z. B. Datenbank auf Cloud SQL umstellen), da du bereits im nativen Google-Ökosystem bist.
Der Haken: Der Teufel steckt im Netzwerk. VMware-Netzwerke basieren oft auf Layer 2 (alles in einem Subnetz), während die Cloud nativ auf Layer 3 (Routing) setzt. Das bedeutet oft: Du musst IP-Adressen ändern (“Re-IPing”) und deine Netzwerktopologie anpassen.
Entscheidungshilfe: Die 3 Pfade im Vergleich
Hier ist der direkte Vergleich der strategischen Optionen für den Mittelstand:
Optimierung:
Status Quo behalten, aber Kosten durch Hardware-Dichte senken.
Vorhanden:
(aber optimiert)
Sehr Niedrig:
Live Migration / vMotion.
vCenter:
(bereits im Team vorhanden)
Legacy & Kritisch:
SAP, Compliance-Workloads, reines “Lift & Shift”.
Alternative:
“VMware-Feeling” behalten, aber den Anbieter wechseln.
Null:
Ersetzt durch AHV (Nutanix) oder KVM (Proxmox).
Mittel:
Konvertierung der VMs nötig.
Ähnlich VMware / Linux:
Nutanix Prism oder Linux-Admin-Wissen.
Standard-Workloads:
VDI, interne Tools, Server ohne SAP-Anbindung.
Modernisierung:
Technische Schulden tilgen & Lock-in minimieren.
Null:
Tausch gegen leichten Cloud Lock-in.
Hoch:
Re-IPing, Netzwerk-Redesign, Anpassung.
Cloud Architect:
Terraform, Native Cloud Services.
Innovation:
Web-Apps, Modernisierungsprojekte, KI-Vorbereitung.
Fazit: Welchen Weg gehst du?
Die Entscheidung ist eine Wette auf die Zukunft deiner IT:
- Hast du SAP auf VMware und willst den Migrationsaufwand scheuen? -> Pfad 1 (GCVE). Das ist der Weg des geringsten Widerstands und nutzt die mathematische Überlegenheit der Google-Hardware, um Lizenzkosten zu drücken.
Pro-Tipp: Alternativ kannst du mit “RISE with SAP” die Betriebsverantwortung komplett abgeben und Google Cloud nur als Provider im Hintergrund nutzen – dann hast du mit der Infrastruktur gar nichts mehr am Hut.
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Willst du Unabhängigkeit ohne Redesign? -> Pfad 2. Nutze Nutanix oder Proxmox als “Rettungsboot” für deine VMs, um Broadcom zu entkommen, ohne die Architektur neu zu erfinden.
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Willst du die Flucht nach vorn? -> Pfad 3. Nutze den Schock, um deine IT auf native Cloud-Standards (Compute Engine) zu heben. Mit der richtigen Beratung wechselst du von einem teuren Lizenz-Korsett in eine flexible Plattform-Strategie.
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